Reisebericht Namibia 2004

Im Oktober 2004 wurden wir vom Goethe-Institut zu den "German Cultural Weeks" eingeladen. Nach vielen mails hin und her zwischen Sabine Erlenwein vom Goethe-Institut und Janine Jaeggi wurde das Projekt "Art-Parade" geboren. Die Idee war einen workshop mit Musik und Tanzchoreografien anzubieten, Kostüme zu fertigen, Stelzen zu bauen und auch das Erlernen vom Stelzenlaufen. Am Ende des workshops sollte eine Parade durch Windhoek (Bremens Partnerstadt) stattfinden.
Angemeldete Workshop-teilnehmer waren 15 junge Studenten für Medien und Kostüm Design, es wurden 38.

Ob wir uns da nicht etwas zu viel vorgenommen hatten?

Wir hatten eine Woche Zeit. Die Bedingungen waren gut, weil es in dem Ausbildungszentrum sowohl eine kleine eingerichtete Nähwerkstatt gab, wie auch Räume zum Musik machen und Stelzen bauen .

In den Werkstätten ging es hoch her. Die Nähmaschinen surrten von Morgens bis Abends, auf einem großen Zuschneide­tisch wurden die Kostüme und Windfische zugeschnitten, Es war oft eine aus­gelassene Stimmung, viel Gekicher und zwischendurch ein Aufschrei: die Nadeln hatten wieder zugestochen. Musiker,Tänzer, Stelzenläufer, alle wollten ein Kostüm für den großen Tag.

Bei Martin brach zwischendurch der Schweiß aus: wie sollen wir das nur in der kurzen Zeit schaffen? Das Material für die Stelzen war teilweise unbrauchbar, Neues mußte besorgt werden.
Wir hatten einige Stelzen mitgenommen und so konnten die Leute schon mal mit langen Holzbeinen üben. Es waren echte Talente darunter, aber einige spürten auch ihre Grenzen.

Mehrmals kamen die Musiker aus dem Nebengebäude die Kostümwerkstatt besuchen, sie mussten üben im Laufen zu spielen. Es hörte sich schon verdammt gut an. Die meisten Teilnehmer hatten ihre eigenen Instrumente mitgebracht: das ganze gemischt mit unseren mitgebrachten Trommeln, ein besonderer Sound!

Die Tänzerinnen stellten uns ihre einstudierten Tanz Choreographien vor. Zuerst noch etwas verhalten, aber unser Jubel ließ sie erstrahlen.
So langsam kriegte man eine Vorstellung davon, wie die Parade durch Windhoek s Hauptstr. ein Erfolg werden konnte. Wir waren selbst von dem Projekt euphorisiert. Abends sind wir oft todmüde ins Bett gefallen, wir hatten noch nicht viel von der Stadt gesehen, aber das konnte ja auch warten.

Am Samstag war es dann soweit. Mit einem großen Reisebus fuhren wir zur Haupteinkaufsmeile von Windhoek, Staunen auf allen Seiten, so was hatte es doch noch nie gegeben, zuerst die Wasserwesen, Tänzerinnen in neon und pinkfarbenen Kostümen und fliegende Fische, dann die Feuerwesen,die Percussion-marching-band in rot gelb, und dahinter 13 riesige, langbeinige Insekten, einige noch etwas staksig, andere bewegten sich mit so einer Selbstverständlichkeit auf den Stelzen, als wenn sie das schon immer gemacht hätten. Direkt nach der Art Parade fuhren wir mit dem übervoll besetzten Bus zurück zum Markt nach Kattatura, das Stadtgebiet, wo viele der Teilnehmer wohnten. Es war ein großes happening, die Straßen und Plätze waren voll mit Menschen.
Viele bewegten sich zu der Musik, viele begeisterte Kinder, die auch mal die Trommeln schlagen wollten. Der Abschied war sehr schwer. Eine Woche lang hatten wir intensivst zusammengearbeitet, gelacht und gescherzt, und für alle war es ein großer Erfolg.

Bis jetzt hatten wir noch nicht viel von "Afrika" gesehen, aber das sollte sich rasch ändern. Mit dem Auto fuhren wir von Windhoek zur Etoscha Pfanne. Mitten in dem riesigen Wildgehege , in direkter Nähe eines Wasserlochs hatten wir ein kleines Häuschen gemietet. Umzingelt von Zäunen konnte man so in unmittelbarer Nähe den Alltag der Tiere beobachten.

Da es zu der Zeit sehr trocken war, mussten alle Tiere zum Wasserloch, erst die Antilopen, dann die Zebras, Nashörner, Giraffen, Elefanten und ganz zuletzt, als die Dämmerung schon einsetzte: die Löwen.
Zwei Tage waren wie im Bilderbuch, doch die Wirklichkeit holte uns schnell ein.

Wir bemerkten Unruhe unter den Tieren. Auf einmal eine Totenstille, dann sahen wir den Löwen, wie er in Zeitlupentempo zum Sprung ansetzte, eine aufgescheuchte Antilope raste um ihr Leben auf uns zu. Wir hielten den Atem an, wähnten uns mit 50 anderen Besuchern in Sicherheit, doch sie durchbrachen den Zaun mit Wucht und 3 m vor unseren Augen wurde die Antilope gerissen und gierig verspeist. Ein für einen Löwen kleiner Sprung hätte gereicht, um über uns herzufallen.
Tja, wenn einer eine Reise tut, kann er was erleben.
Danach gings noch durch die Wüste Namib zurück nach Swakopmund, man fühlt sich da fast wie an der Nordsee, nur das es da etwas größere, um nicht zu sagen riesige Dünen gibt. Wir sind ja nicht faul, also allemann hoch, eine schweißtreibende Angelegenheit, aber die Anstrengung wurde reichlich belohnt. Ein kühles Lüftchen und einen wunderschönen Ausblick über Wüste und Meer.
...Namibia, wann werden wir dich wiedersehen?

Großen Dank an Sabine Erlenwein und alle Beteiligten vom KCAC (Katutura Community Arts Centre)

Martina Spooren
Confusao
Projektleitung : Sabine Erlenwein vom Goethe-Institut und Janine Jaeggi mit dabei: Susanne Sasse, Thomas Schacht, Martin Sasse, Tanja Breier, Martina Spooren